Berichte über neue Gräueltaten in Homs
Auf Bildern, die der Agentur Reuters zugesandt worden, sind offenbar Proteste in Yabroud nahe Damaskus zu sehen. (Reuters)
Aus Syrien gibt es neue Berichte über das brutale Vorgehen der Armee gegen Regimegegner. Nach Angaben der Opposition sollen allein in der Protesthochburg Homs innerhalb eines Tages 68 Menschen getötet. Landesweit sollen mindestens 73 Menschen ums Leben gekommen sein.
Offenbar mehrere Familien ausgelöscht
In den Berichten heisst es, die Armee habe in Homs das Viertel Baba Amro unter Beschuss genommen und dort mindestens 23 Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Drei Familien sollen von Milizionären in ihren Häusern massakriert worden. Die Eindringlinge hätten 19 Menschen mit Messern getötet, heisst es von den Regimekritikern. In zwei Krankenhäusern von Homs sollen zudem Frühgeborene in Brutkästen ums Leben gekommen sein, weil offenbar der Strom abgeschaltet wurde.
Zu einem weiteren Schlag holten die Assad-Truppen in der Provinz Daraa nahe der Grenze zu Jordanien aus, nachdem dort ein Offizier und 17 Soldaten desertiert waren. Die Streitkräfte seien dabei ähnlich massiv vorgegangen wie in Homs, berichtete der Nachrichtensender al-Arabija unter Berufung auf das oppositionelle syrische Medienzentrum. Das syrische Staatsfernsehen berichtete von der Explosion einer Autobombe in Homs und einem Anschlag auf eine Gaspipeline nahe der Stadt.
Uno-Menschenrechtskommissarin ist «entsetzt»
Die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, äusserte sich entsetzt über den Einsatz von Artillerie und anderen schweren Waffen «bei anscheinend wahllosen Attacken auf Wohngebiete». Das Scheitern einer Syrien-Resolution im Uno-Sicherheitsrat scheine «die Bereitschaft der syrischen Regierung verstärkt zu haben, die eigene Bevölkerung zu massakrieren, um Opposition zu zerbrechen».
Die Vetomächte Russland und China hatten am Samstag im Uno-Sicherheitsrat eine Resolution zu Fall gebracht, mit der die 13 anderen Mitgliedstaaten Syrien zur Beendigung der Gewalt und zu politischen Reformen aufrufen wollten. Die Türkei setzt sich für einen neuen Fahrplan zur Beilegung des blutigen Konflikts ein. Nötig sei ein internationales Forum in der Region, auf dem alle wichtigen Staaten vertreten sein müssten, sagte Aussenminister Ahmet Davutoglu dem türkischen Fernsehsender NTV. Er wollte noch in der Nacht zum Donnerstag zu Gesprächen mit seiner Amtskollegin Hillary Clinton in die USA fliegen.
Russlands Regierungschef Wladimir Putin forderte in Moskau, das syrische Volk müsse selbst über sein Schicksal entscheiden. «Natürlich lehnen wir jede Gewalt ab, von welcher Seite auch immer, aber niemand sollte sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen.» Putin verwies auf die Situation in Libyen nach dem Sturz von Muammar al-Ghadhafi. Niemand spreche über die Gewalt gegen Unterstützer Ghadhafis, «weil das die schrecklichen Folgen vor allem von militärischer Intervention sind».
Beobachter sollen abziehen
Die Arabische Liga bestätigte in Kairo den geplanten Abzug ihrer Beobachter. Der Leiter der Beobachtermission, der Sudanese Mohammed al-Dabi, und sein Stab sollten jedoch vorerst in Damaskus bleiben. Am Wochenende will die Organisation über das weitere Vorgehen beraten. Die Liga hatte vor einigen Wochen Beobachter in Syrien geschickt. Die Mission, die bislang ohne greifbare Erfolge geblieben ist, war Teil eines Friedensplanes der Organisation. (ank, dpa)
