Oppositionelle Flutwelle wälzt sich auf Bangkok zu
Thaksin Shinawatra auf den Transparenten und mit einer Handvoll Baht in der Tasche: Demonstranten auf den Zufahrtsstrassen nach Bangkok. (Keystone)
Zehntausende Regierungsgegner aus ganz Thailand haben sich zum Sturm auf Bangkok gerüstet. Sie strömten in die Hauptstadt Bangkok, wo sie das öffentliche Leben schon teilweise lahmlegten.
Eine Unzahl von Demonstranten in roten T-Shirts blockieren zur Stunde die breite Rajdamnoen-Strasse am Demokratie-Denkmal. Sie wollen dort am Sonntag an einer Massenkundgebung teilnehmen.
Die Regierung hat vor Ausschreitungen gewarnt und 35'000 Sicherheitskräfte zusammengezogen. Nicht ohne Grund. Jatuporn Pomphan, einer der Organisatoren, drohte: «Wir brauchen nur vier Tage, um mit der Regierung fertig zu werden.»
Zugänge nach Bangkok verstopft
Die Zufahrtsstrassen aus dem Norden des Landes waren am Samstagmorgen bereits teilweise verstopft. In den nördlichen Provinzen hatten die Organisatoren über Nacht schon Zehntausende Menschen zusammengezogen, die sich in kilometerlangen Konvois mit Autos, Lastwagen und Bussen in Richtung Bangkok in Bewegung setzten.
Die Oppositionsbewegung «Vereinigte Front für Demokratie und gegen Diktatur» (UDD) will den Protest fortsetzen, bis Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva zurücktritt. Dessen Anhänger hatten vor zwei Jahren eine ähnliche Taktik im Kampf gegen eine «Rothemden»-freundliche Regierung angewandt.
Vejjajiva-Anhänger wandten ähnliche Taktik an
Sie stürzten Bangkok damals ins Chaos, zuerst mit der Besetzung des Regierungssitzes und dann mit dem Sturm auf den Flughafen. Die Regierung stolperte schliesslich über angeblichen Wahlbetrug, und Abhisit kam mit der Hilfe von Überläufern nach einem Votum im Parlament an die Macht.
Die UDD zahlt Demonstrationsteilnehmern nach deren Angaben umgerechnet 32 Franken pro Tag. Unklar ist, wie gross ihre Kriegskasse ist. Einer der Geldgeber und Mentoren der Rothemden ist der 2006 gestürzte Ex-Regierungschef Thaksin Shinawatra. Der Milliardär feuerte seine Anhänger am Samstag über Twitter an.
Thaksin vor Europa-Reise
Er selber soll mit seiner Exilheimat Dubai zuletzt Probleme bekommen haben: Die Behörden hätten ihn zur Abreise aufgefordert, berichtete ein thailändischer Regierungssprecher. Thaksin bestritt dies, bestätigte aber eine bevorstehende Reise zu seinen Töchtern nach Europa. Diese sollen sich in Deutschland aufhalten.
Thaksins thailändischer Pass ist ungültig, aber er hat Reisedokumente aus anderen Ländern, darunter Nicaragua. In Abwesenheit war er in seiner Heimat wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.
Vermögensteile beschlagnahmt
Ende Februar ordnete ein Gericht die Beschlagnahmung von 60 Prozent seines eingefrorenen Vermögens von fast 2,5 Milliarden Franken an. Die Begründung: Er habe das Geld während seiner Amtszeit 2001 bis 2006 unrechtmässig erworben. (haem, sda)
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