Wirtschaft begrüsst Libyen-Deal
Die Schweizer Wirtschaft hofft auf eine schnelle Besserung der noch immer zerrütteten Beziehungen zwischen der Schweiz und Libyen. Dies sagt Jan Atteslander, Leiter der Aussenwirtschaftspolitik beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse gegenüber Schweizer Radio DRS.
Trotz aller Kritik am Vorgehen des Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz, sei es diesem immerhin gelungen, Bewegung in die Angelegenheit zu bringen.
Freilassung das Wichtigste
Das Wichtigste sei, dass die beiden in Libyen festgehaltenen Schweizer Geschäftsleute nun das Land möglichst bald verlassen könnten, so Atteslander. Diese wurden nach der Verhaftung des Sohnes von Libyens Staatschef Muammar Ghadhafi festgenommen und durften den Wüstenstaat bis heute nicht verlassen.
«Libyen ist ein interessanter Geschäftspartner»
Seit der Festnahme hat Libyen die wirtschaftlichen Beziehungen mit der Schweiz auf Eis gelegt. Atteslander würde es begrüssen, wenn die Entschuldigung von Merz und die schriftliche Zusicherung, den Genfer Vorfall von einem Schiedsgericht untersuchen zu lassen, auch die wirtschaftlichen Beziehungen wieder ankurbeln würden.
Libyen sei ein interessanter Handelspartner für die Schweiz. «Nicht sehr wichtig, aber doch haben sich über viele Jahre gute Geschäftskontakte etablieren können», sagt Atteslander.
Aus wirtschaftlicher Sicht war Libyen vor dem Boykott das wichtigste Land in Afrika für die Schweiz. So hat die Schweiz im Jahre 2007 für 280 Millionen Franken Waren nach Libyen exportiert, vor allem Maschinen und Pharmaprodukte. Das ist nicht wenig, aber dennoch nur ein Bruchteil des gesamten Exportvolumens von 200 Milliarden Franken.
Erdöl aus Libyen
Wichtiger als der Export war der Import. Die Schweiz kaufte 2007 in Libyen für 1,7 Milliarden Franken ein, fast ausschliesslich Erdöl. Die Erdöl-Versorgung der Schweiz sei durch diese Krise nicht beeinträchtigt worden, sagt Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdölvereinigung, gegenüber Schweizer Radio DRS.
Anstelle des Erdöls aus Libyen habe man welches aus Algerien und Aserbaidschan gekauft. Dennoch betont er, dass sich die Wirtschaftsbeziehungen wieder normalisieren müssten. «Wir wollen, dass wir so rasch als möglich zu ‹business as usual› zurückkehren können», so Hartl. (acd/jaga)
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