Formel 1: Jetzt gehts wieder um den Sport
Sauber-Fahrer Kobayashi beim freien Training in Manama, Bahrain. (Reuters)
Es ist noch nicht allzu lange her, da hing der Fortbestand der vor 60 Jahren ins Leben gerufenen Formel-1-WM an einem seidenen Faden. Der Internationale Automobil-Verband (FIA) hatte sich mit den Teams aufs Fürchterlichste zerstritten.
Streit um Obergrenze der Budgets
Der damalige Präsident Max Mosley war zur nicht mehr geduldeten Reizfigur geworden, mit der sich die Entscheidungsträger der einzelnen Equipen eine Zusammenarbeit nicht mehr vorstellen konnten.
«Budgetobergrenze» hiess im letzten Sommer das Schlagwort, welches das Fass beinahe zum Überlaufen gebracht hätte. Die von Mosley initiierte Forderung nach einer drastischen Kostenreduzierung hatte bei den in der Fota vereinigten Teams den Entschluss reifen lassen, der Formel 1 den Rücken zuzukehren und eine eigene Rennserie ins Leben zu rufen.
Politik im Hintergrund
Es wird mittlerweile gespart in der Formel 1. Die Senkung des finanziellen Aufwands wird nunmehr indessen schrittweise vollzogen - ein Businessplan, mit dem sich die Teams einverstanden erklären konnten. Zudem erfüllte die FIA die Forderung nach dem Rücktritt Mosleys, dessen Nachfolge der Franzose Jean Todt antrat.
Die Idee einer «Piratenserie» war vom Tisch, die hohen Herren der Teams waren besänftigt. Die Politik rückte derart wieder wohltuend in den Hintergrund, in der Formel 1 stand fortan wieder der Sport im Mittelpunkt.
Schumi und Sauber hielten Spannung hoch
Die weltweit wichtigste Rennserie hatte in den letzten Monaten auch ohne Streitereien um Geld und Macht einiges zu bieten. Die Formel 1 war auch so während des «Winterschlafs» Ausgangspunkt vieler positiver Schlagzeilen.
Die Rettung des Sauber-Rennstalls durch den Gründer Peter Sauber höchstpersönlich, die ungewöhnlich zahlreichen Fahrer-Rochaden und natürlich die Rückkehr von Michael Schumacher hielten das Interesse konstant hoch.
Sauber mit neuen Zugpferden
Nach unruhigen, turbulenten Zeiten im vergangenen Jahr ist das Sauber-Team in der Formel 1 wieder auf Kurs. Der Neuanfang wirkte bis in den sportlichen Bereich. Neben Robert Kubica, der zu Renault wechselte, wurde auch der zweite Fahrer Nick Heidfeld nicht mehr weiterbeschäftigt.
Gekommen sind der Spanier Pedro de la Rosa und der Japaner Kamui Kobayashi, und mit ihnen ein gesunder Mix aus Erfahrung und Draufgängertum.
Der Erfahrene und der Couragierte
Der 39-jährige De la Rosa hatte sich die letzten sieben Jahre bei McLaren-Mercedes als Testfahrer verdingt.
Der 15 Jahre jüngere Kobayashi hatte am Ende der letzten Saison als Ersatz für den rekonvaleszenten Timo Glock mit seinen couragierten Auftritten im Toyota in São Paulo und in Abu Dhabi sein Talent eindrücklich unter Beweis gestellt.
Vorjahresergebnis als Zielvorgabe
Nach dem Rückzug von BMW arbeitet das Sauber-Team, das zumindest vorläufig noch als BMW-Sauber firmieren wird, im Bereich von Motor und Getriebe wieder mit Ferrari zusammen.
Die Seilschaft mit den Italienern, die bereits von 1997 bis 2005 Bestand gehabt hat, soll einer der Eckpfeiler sein, um die Zielvorgabe zu erfüllen. «Die vergangene Saison haben wir in der Teamwertung im sechsten Rang abgeschlossen. In diesem Bereich wollen wir uns auch diesmal wieder bewegen», sagt Peter Sauber.
Favoriten noch nicht auszumachen
Klare Strukturen in der Saison-Hierarchie sind nach den Testfahrten im Februar und den ersten Trainings für den GP Bahrain noch nicht auszumachen. Die Prognose, dass die WM 2010 eine der spannendsten werden könnte, scheint gleichwohl nicht allzu gewagt.
McLaren-Mercedes mit seinen Weltmeistern Jenson Button und Lewis Hamilton an Bord, Fernando Alonso mit dem Wechsel zu Ferrari, Michael Schumacher im Mercedes und Sebastian Vettel im Auto von Red Bull, das leistungsmässig dem starken Vorgängermodell sehr ähnlich sein soll, bieten allein Gewähr für Spektakel.
Sauber im Mittelfeld erwartet
Hinter den vier Top-Teams werden zusammen mit BMW-Sauber Toro Rosso-Ferrari, Renault, Force India-Mercedes, Williams-Cosworth im «Mittelfeld» erwartet.
Den Neulingen HRT und Virgin und dem nach 16 Jahren Absenz auferstandenen Lotus-Team, die allesamt vom ebenfalls wieder eingestiegenen Cosworth-Werk mit Motoren beliefert werden, dürfte im Normalfall nur eine marginale Rolle zukommen. (nab, sda)
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