Neues Handbuch zum Umgang mit Krisen an Schulen
Der Lehrerverband LCH will Schulen und Lehrer mit dem Leitfaden «KrisenKompass» bei der Vorbereitung auf Krisensituationen unterstützen. Gegen die häufiger werdenden Krisen fordert er zudem Spezialistenteams, an die sich Schulen im Notfall wenden können.
Krise sind normal
Der Umgang an den Schulen sei rüder geworden, stellte Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer (LCH), vor den Medien fest. Für Lehrpersonen gehörten Krisen zum «normalen» Repertoire, auch wenn es sich selten um spektakuläre Fälle handle.
Fast jede Woche sei aber beispielsweise irgendwo in der Schweiz eine Schule mit einem möglichen Suizid konfrontiert, sagte Zemp. Die Schulen müssten sich auch mit Gewalt, Selbstverletzungen, Mobbing, Sucht, Missbrauch oder Amokläufen auseinandersetzen.
Zur Vorbereitung auf solche und andere Krisen soll den Schulen das Handbuch «KrisenKompass» helfen, das der Lehrerverband LCH und der Schulverlag plus präsentierten. Erstellt hat den «KrisenKompass» die internationale Fachstelle für Gewaltprävention, Krisenintervention und Trauerbegleitung edyoucare.
Hilfe für Konzepte
Die Schulen in der Schweiz seien ganz unterschiedlich auf Krisensituationen vorbereitet, sagte Mitautor und Projektleiter Christian Randegger. Konkrete Rezepte liefert der Leitfaden daher nicht.
Checklisten, Informationen und Materialien zu Themen wie Tod oder Notfall sollen die Schulen aber unterstützen, eigene Konzepte zu Krisen zu entwickeln.
An Fachleute wenden
«Die Schule kann nicht alles leisten», sagte Zemp. Er fordert deshalb Teams zur Krisenintervention für jeden Kanton.
Solche Teams mit Spezialisten wie Psychologen, Ärzten und Seelsorgern müssten den Schulen bei Krisen zur Seite stehen, sagte Zemp. «Sie müssen den Schulen quasi rund um die Uhr zur Verfügung stehen.»
Auf die Frage, wie diese Teams zu finanzieren seien, verwies Zemp auf die Kantone. In jenen Kantonen, wo es solche Teams bereits gebe, hätten sie sich bewährt: In St. Gallen, wo das Team bereits seit 10 Jahren besteht, würden die Spezialisten in jährlich rund 100 Fällen beigezogen, sagte Zemp.
Ernstfall üben
Zur Vorbereitung auf Krisen gehöre etwa das Einüben von Evakuationen, sagte Zemp weiter. Auch zum Verhalten bei einem möglichen Amoklauf müssten sich die Schulen Gedanken machen. Dazu plane der LCH zusammen mit der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten Weiterbildungskurse für Lehrer und Schulleiter.
Die beste Prävention gegen Gewalt, Amokdrohungen oder individuelle Krisen sei ein gutes Schulklima und eine Vertrauensbeziehung zwischen Schülern und Lehrern, sagte Zemp. (cdm, ap/sda)
