Römische Reben & falscher Mehltau - das Weinjahr 2010
Der römische Rebberg mit dem Rastplatz in Remigen.
«Der Sommer 2010 war ein sehr wechselhafter: 3 Tage Regen, 3 Tage Sonne. Für Sonnen- und Badeliebhaber ist dies kein gutes Wetter, für die Trauben jedoch schon eher », sagt Peter Rey, Rebbaukommissär des Kantons Aargau. Er geht davon aus, dass das Jahr 2010 ein guter Weinjahrgang wird.
Die weissen Trauben, beispielsweise Riesling-Silvaner, werden im Kanton Aargau wohl noch diese Woche geerntet. Bei den Blauburgunder-Trauben warten die Winzer noch zu. Sie möchten die letzten warmen Sonnentage ausnutzen, um die Öchsle-Werte (Maßeinheit für das Mostgewicht des Traubenmostes) der roten Trauben noch ein wenig in die Höhe zu treiben. Pro Sonnentag steigt der Öchsle-Wert um ein bis zwei Grad. Dies steigert den Zuckeranteil in den Trauben und somit den späteren Alkoholgehalt des Weines.
Hagel und Mehltau
Während der Wachstumsphase der Rebstöcke gab es für die Winzer jedoch auch einige Probleme zu bewältigen. Einerseits gab es im Juni und Ende Juli zwei Hagelschläge, andererseits führte der «falsche Mehltau» zu massiven Schäden an den Blättern und Trauben.
Der erste Hagelschlag im oberen Fricktal konnten die Reben noch gut verkraften, der zweite Hagelschlag in Klingnau führte bei den betroffenen Winzern jedoch zu 70-80 Prozent Ertragsausfall. Die nasse Witterung, gekoppelt mit den meist hohen Temperaturen, bot der Pilzkrankheit, dem falschen Mehltau, optimale Bedingungen, sodass einige Weinstöcke dieses Jahr sehr wenig Blätter und noch weniger Trauben haben.
Römer in Remigen
Eine Besonderheit des Weinbaus im Kanton Aargau sind die römischen Rebberge in Oberflachs, Schinznach-Dorf, Villigen und Remigen. Diese römischen Rebberge sind auf ein grosses Legionärslager der Römer zurückzuführen, welche vor bald zwei Jahrtausenden in Vindonissa-Windisch gastierten. Diese brachten auch die Weinreben in den Kanton Aargau. «Denn Römer ohne Wein, das ist nicht denkbar», sagt der Winzer Bruno Hartmann von der Winzerei Hartmann in Remigen. Er ist einer von vier Winzern, die nach historisch-römischer Art Reben anbauen und diese nach der «Wümmet» auch historisch keltern.
Früchte, Honig und Kräuter für den Wein
Legionäre lesen dieses Jahr am 24.Oktober 2010 zum ersten Mal die Trauben im Römer-Rebberg von Bruno Hartmann ab. Die Trauben werden dann mit einem eisenbeschlagenen Karren nach Windisch vor das Museum transportiert und da mit den Füssen in grossen Holzzubern ausgestampft. Aus dem so gewonnen Saft wird danach der erste «Römer-Wy» aus der Region Vindonissa gemacht. Da die alten Römer Gourmets waren, haben sie ihren oft sehr «sauren» Wein vor dem Trinken mit verschiedenen Zusatzstoffen veredelt. Mit Honig, Früchten oder Kräutern haben sie ihren Wein je nach Gusto verfeinert. Dies sollten auch die Käufer des Römer-Wys machen, um das römische Weinerlebnis noch zu steigern. Wie das geht, lernen sie bei den Winzern in Workshops. (rigv)
