Janukowitsch: Opfer der Revolution gewinnt Wahl
Der pro-russische Oppositionsführer Wiktor Janukowitsch hat die ukrainische Präsidentenwahl zu seinen Gunsten entschieden. Er konnte politisches Kapital daraus schlagen, dass sich die Sieger der Orangen Revolution von 2004 heillos zerstritten hatten und bei der Umsetzung ihrer Reformpläne gescheitert waren.
Die ukrainischen Wahlberechtigten trugen es Janukowitsch offenbar nicht nach, dass er sich bei der Präsidentenwahl im Jahr 2004 nach massiven Wahlmanipulationen zunächst als Sieger hatte ausrufen lassen. Friedliche Massenproteste waren die Folge gewesen, die zu Neuwahlen und zu Janukowitschs Absetzung führten, und als Orange Revolution in die Geschichte eingingen.
Steiler Aufstieg zu Sowjetzeiten
Der 59-jährige Janukowitsch stammt aus ärmlichen Verhältnissen und ist in der russisch-geprägten Industrieregion des Donezk im Osten des Landes verwurzelt. Seine Muttersprache ist Russisch, seine Kenntnisse in der Amtssprache Ukrainisch liessen ihn im Wahlkampf gelegentlich nach Worten ringen.
Als Heranwachsender war er zweimal wegen Diebstahls und wegen Körperverletzung im Gefängnis gesessen. Vom Mechaniker stieg er in sowjetischer Karrieremanier zum Ingenieur, Ökonom und Juristen mit Professorentitel auf. Immer noch feilt er an dem von ihm angestrebten Image eines seriösen Politikers.
Russland die Treue gehalten
Janukowitsch gilt als Interessenvertreter Grossindustrieller. Einer seiner grössten Sponsoren im Wahlkampf ist der Oligarch und zwielichtige Milliardär Rinat Achmetow, dem Verbindungen zum ehemaligen russischen Geheimdienst KGB nachgesagt werden.
Janukowitsch unterhält enge Beziehungen zur russischen Regierung und schloss einen Beitritt der Ukraine zur Nato aus. Im Gegensatz zum Wahlkampf 2004 erhielt Janukowitsch diesmal keine offizielle Unterstützung aus Moskau. Wie die meisten Politiker seines Landes strebt er aber eine EU-Mitgliedschaft an.
Wirtschaftliche Erfolge als Regierungschef
Unterstützt von ukrainischen Grossindustriellen übte Janukowitsch zweimal das Amt des Regierungschefs aus. Als einzigem in der langen Reihe von Ministerpräsidenten gelang ihm zwischen 2002 und 2004 ein zweistelliges Wirtschaftswachstum.
Der Chef der im russischsprachigen Osten des Landes verankerten «Partei der Regionen» steht jedoch im Ruf, die Spaltung des Landes nicht überwinden zu können. So will der Führer der stärksten Oppositionspartei im ukrainischen Parlament etwa Russisch wieder als zweite Amtssprache einzuführen. Dies dürfte ihm im nationalistischen Westen und Norden des Landes schaden.
Im Aufwind dank Regierungskrise
Dank der zunehmenden Konflikte im Orangen Lager gewann Janukowitsch an Zustimmung. Millionen frustrierter Wähler im Osten und Süden der Ukraine sehen in ihm bis heute ein Opfer der Orangen Revolution, mit dem sie sich identifizieren können.
Die erbitterte Rivalität der einstigen Weggefährten Timoschenko und Juschtschenko konnte er in politisches Kapital umsetzen. Die von ihrem Streit geprägte Regierungskrise ebnete Janukowitsch den Weg zurück an die Macht. (jwi, sda/dpa/reuters)
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