Wetterdienste streiten um tiefsten Messwert
Viele Autofahrer (wie hier in St. Moritz) bekundeten wegen der Eiseskälte Probleme mit dem Starten ihres Wagens. (Keystone)
In der Extremkälte im Osten Europas sind in der Nacht auf Sonntag erneut über 20 Menschen erfroren. In der Ukraine stieg die Zahl der Kältetoten um neun auf mittlerweile 131 an. Mehr
Auf der Glattalp auf 1800 Metern über Meer fiel das Thermometer in der Nacht auf Sonntag auf -37 Grad, wie der Wetterdienst Meteomedia von Jörg Kachelmann mitteilte. Die Station des privaten Wetterdienstes steht in einer windstillen Senke, weshalb die Temperaturen dort stets besonders tief fallen.
Die Station entspreche den Anforderungen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), sagte Jörg Kachelmann der Nachrichtenagentur sda. Der Temperaturfühler sei in 6 Metern Höhe installiert und liege damit - bei einer Schneedecke von rund 4 Metern - wie von der WMO gefordert 2 Meter über dem «Boden».
Kritik an den diversen Messungen
Wie beinahe zur Tradition geworden, lassen die Extremtemperaturen die Kontroverse zwischen den Wetterdiensten aufleben. MeteoNews will die Angabe ihrer Konkurrenz nicht anerkennen, weil sie die WMO-Konformität der Anlage bestreitet, wie sie auf Anfrage der sda festhält.
Sie vermeldet als Kälterekord des Winters den Wert von -33,8 Grad, der in der Nacht auf Sonntag in Ulrichen im Walliser Obergoms auf 1345 Metern über Meer gemessen wurde.
SF Meteo wiederum, der Wetterdienst des Schweizer Fernsehens SF, und auch Meteomedia ziehen die Messung in Ulrichen in Zweifel. Dort liege so viel Schnee, dass die Temperatur nur noch wenige Zentimeter über der Schneedecke gemessen werde. Weil es direkt über dem Schnee deutlich kälter ist, als zwei Meter über dem Boden, fällt die Temperatur-Angabe tiefer aus, als sie sollte.
Bei MeteoSchweiz heisst es dazu auf Anfrage, man sei sich des Problems mit der Station in Ulrichen bewusst. In der eigenen Datenbank werde die Temperaturangabe deshalb nur «unter Vorbehalt» geführt.
In der Höhe verbreitet bis zu -30 Grad
Unbestritten ist, dass der meist sternenklare Himmel für die erneute Kältenacht verantwortlich war. Weitere Extremwerte wurden auch in höheren Lagen im Bündnerland gemessen: So etwa auf der Alp Buffalora auf dem Ofenpass (-30,2 Grad), auf der Lenzerheide (-30,0 Grad), in Zuoz (-27,2 Grad) oder in Davos (-26,3 Grad).
Auch im Flachland und im Jura wurde es wie schon in der Nacht auf Samstag sehr kalt. In seenahen Gebieten im Mittelland war es rund minus 11 Grad kalt, andernorts sogar bis zu minus 21 Grad. Noch rund zwei Grad kälter war es in der Nacht auf Samstag gewesen.
Fast 11'000 Anrufe beim TCS
Die Kälte liess beim Autopannendienst des Touring Club Schweiz (TCS) die Drähte heisslaufen. Allein am Samstag riefen 10'800 Autofahrer wegen Problemen mit ihrem Auto an. Das ist laut TCS ein Rekord. Eine vergleichbare Situation habe es letztmals vor zwölf Jahren gegeben, sagte ein Sprecher. Normalerweise bearbeitet die TCS-Einsatzzentrale im Februar rund 1400 Anrufe pro Tag. (pet, sda)
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